Tag der Offenen Türen 2019 - Sounding Soil

veröffentlicht: 10.11.2019

Sounding Soil – Der Boden tönt

Neben Geigen, Bratschen, Celli und weiteren Musikinstrumenten, begleiten uns Klänge aller Art, seien es ein Tram, das quietscht, ein Auto, das beschleunigt, die Tasten eines Computers, die Stimme unserer Mitmenschen und viele weitere mehr. Uns normalerweise verwehrt, bleiben uns die Klänge, die unter der Erde entstehen...

Steaming ground Etna volcanoAuch wenn der Boden bei uns nicht wie hier beim Etna dampft und brodelt, lebt und klingt er dank seiner grossen Vielfalt Von DavidMPyle - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71076441

Der Boden ist die oberste Schicht der Erdkruste, unsere Lebensgrundlage. Circa O.1 mm Boden wird in unseren Breitengraden gebildet. Die Bodenökosysteme filtrieren, speichern und regulieren Wasser, bieten Lebensraum für unzählige Bodenorganismen, stellen Nährstoffe für Pflanzen zur Verfügung und können sogar toxische Stoffe abbauen und CO2 speichern. Nachhaltig bewirtschaftete Böden helfen auch, Treibhausgase zu reduzieren.

Leider nimmt seit einigen Jahrzehnten der Verlust von gesunden Böden dramatisch zu. Stichworte dazu sind Monokulturen, Dünger, Pestizide, Schwere Maschinen. Unwetter und Überschwemmungen nehmen immer mehr zu und unsere fruchtbaren Böden erodieren zunehmend – Laut Sounding Soil gehen jährlich 840'000 Tonnen Boden buchstäblich den Bach runter in der Schweiz...

Der Boden klingt! Der Boden ist nicht, wie wir ihn oft sehen, ein lebloses Material. Eines der wichtigsten Zielen von Sounding Soil ist es, die Prozesse und das Leben im Boden sinnlich erfahrbar zu machen und somit das Bewusstsein für gesunde Böden zu stärken. Das Orchester der Bodentieren besteht aus Springschwänzen, Milben, Hundertfüssern, Käfern, Asseln, Fliegenlarven, Regenwürmern, Spinnen, Heuschrecken und Zikaden. Einen grossen Teil der Geräusche entsteht, wenn sich die Bodentiere bewegen oder fressen. Der Boden als Kommunikationsmittel von Tieren, die auf dem Boden leben klingt auch durch die Vibrationen, die von Artgenossen wahrgenommen werden können.

Ein gesunder Boden besteht aus vielen unterschiedlichen Pflanzen, Tieren und Pilzen. Das Forschungsprojekt Sounding Soil versucht, die Artenvielfalt im Boden akustisch zu messen. Interessant ist, dass konventionell bewirtschaftetes Ackerland stiller ist und weniger verschiedene Geräusche aufweist als eine biologisch bewirtschaftete Wiese. Auch im Waldboden ist es etwas stiller, denn es ist kühler und Bodentiere sind weniger aktiv als in einer sonnigen Wiese. Selbstverständlich sind auch weitere Quellen zu hören, wie Regen, Wind oder Umweltlärm.

Als Schlusssatz möchte ich Sounding Soil direkt zitieren: "Es ist noch nicht zu spät, aber höchste Zeit der kostbaren Ressource Boden mehr Aufmerksamkeit und Schutz zu schenken"

Wir haben das grosse Glück, an unserem Tag der offenen Türen, Ihnen die mobile Hörstation von Sounding Soil zu präsentieren. Hören Sie, wie unterschiedliche Böden "musizieren" am Samstag, 16. November 2019 in unserer Werkstatt an der Schlossergasse 9 in 8001 Zürich. Weitere Information zum Projekt Sounding Soil finden Sie auf www.soundingsoil.ch

Soil profile

Bodenstruktur

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17408