"Das sichere Streichinstrument"
DSS 1 - Lackpflege - Weshalb keine Pflege besser ist als Pflegepolitur...
Als ersten Beitrag dieser Serie werde ich Ihnen erklären, wie Sie Ihr Instrument schön glänzend und sauber halten können.
Lack
Zum Anfang einen ganz kurzen Abschnitt über Lackkunde:
Der Lack eines Instruments besteht grundsätzlich aus Harz. Damit das Harz streichbar wird, wird ein Lösungsmittel und/oder ein Bindemittel beigefügt (ätherische Öle, Spiritus, Leinöl, Nussöl usw...) Es werden noch einen oder mehrere Farbstoffe beigemischt, damit der Lack eine schöne Farbe bekommt. Nicht alle Instrumente haben denselben Lack. Manche sind sehr widerstandsfähig gegenüber Lösungsmitteln, andere bleiben auch nach Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten löslich und werden beim Kontakt mit Alkohol, ätherischen Ölen oder Wasser weich oder lösen sich gar auf.
Pflegepolituren
Die meisten im Handel für Musiker und Musikerinnen erhältlichen Reinigungsmittel bestehen aus einer Mischung aus ätherischen Ölen, Lösungsmitteln und , Silikon/Öl. Diese Mittel können eine verheerende Wirkung auf Ihr Instrument haben, wenn sie angewendet werden.
Probleme
Folgende Probleme können auftreten, wenn eine Pflegepolitur auf dem Instrument eingesetzt werden:
- Der Lack kann an der Oberfläche weich werden. Am Anfang sieht das Instrument sehr schön und glänzend aus, doch schon nach kurzer Zeit sammeln sich Staub, Kolophonium und weitere Partikel auf dem Lack und bilden eine unschöne matte Schicht. Daher wird in der Regel das Produkt in regelmässigen Abständen angewendet bis es nichts mehr nützt, weil das Instrument zu klebrig und schmutzig ist. Danach müssen die vielen Schichten aus Pflegepolitur und Staub beim Geigenbauer oder bei der Geigenbauerin für teures Geld mit viel Aufwand wieder entfernt werden. Wir kümmern uns sehr gerne um Ihr Instrument, aber glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage, dass diese Arbeit von den meisten Geigenbauern und Geigenbauerinnen nicht wirklich geliebt wird.
- Die meisten Pflegepolituren hinterlassen einen glänzenden Film auf der Lackoberfläche, wobei ein ähnliches Phänomen wie in Punkt 1 beobachtet werden kann. Was auch noch zu beachten ist, ist dass diese Schichten aus Pflegepolitur und Dreck den Klang stark dämpfen und verschlechtern können, teilweise regelrecht ersticken.
- Der Lack kann ganz aufgeweicht werden (im schlimmsten Fall kann er sich sogar auflösen!) Dann wird er anfällig für Abdrücke (Finger, Kastenfutter, Schulterstützen usw...) Diese Probleme sind sehr schwer zu beheben, weil das Lösungsmittel in der Pflegepolitur sich mit dem Lack verbinden kann und unter Umständen nicht mehr entweichen kann.
- Das Öl / Silikon das vielen Pflegepolituren beigemischt wird, dringt in feine Risse welche von Auge kaum oder gar nicht zu sehen sind. Dadurch kann der Geigenbauer oder die Geigenbauerin diese Risse nicht mehr einfach leimen (wie es ohne Pflegepolitur der Fall wäre). Nun muss eine aufwändige und teilweise aussichtslose Riss-Reinigung vorgenommen werden. Meiner Meinung ist dies das grösse Problem von Pflegepolituren.
Jetzt haben Sie nun hoffentlich genügend Gründe, keine Pflegepolitur zu gebrauchen. Meiner Meinung nach darf ein ethisch verantwortungsvolles Geigenbaugeschäft gar keine Pflegepolituren verkaufen.
Wie kann der Lack gepflegt werden?
- Es gibt eine goldene Regel: nach jedem Spielen das Instrument mit einem weichen trockenen Tuch reinigen (besonders zu empfehlen sind Microfaser Tücher). Damit wird verhindert, dass sich das Kolophon mit dem Lack verbindet und sich dann mit einem trockenen Tuch nicht mehr entfernen lässt. Wichtig ist, dass das ganze Instrument gereinigt wird.
- Zudem ist es von Vorteil, ein Kolophonium zu benützen, das nicht zu klebrig ist (ein gutes, nicht klebriges Kolophon ist "Larica").
- Das Instrument NIE in einem geschlossenem Auto und/oder eine längere Zeit an der Sonne aufbewahren (auch im Etui) . Die extreme Hitze kann den Lack aufweichen; es bilden sich Abdrücke und eventuel sogar Hitzebläschen.
- Das Instrument regelmässig (1 Mal im Jahr) zu Ihrem Geigenbauer oder Ihrer Geigenbauerin zur Kontrolle bringen und eine Reinigung und ev. eine Politur machen lassen.
Haben Sie weitere Fragen oder Bemerkungen? Schreiben Sie einen Kommentar, diskutieren Sie im Forum oder kontaktieren Sie mich direkt. Falls Sie in Zürich sind, können Sie auch direkt in der Werkstatt bei Isler + Irniger, Meisterwerkstatt für Geigenbau vorbei kommen. Ich bin in der Regel von Mittwoch bis Samstag für Sie da.
Micha Sennhauser ©Juli 2010
Aktualisiert (Samstag, den 24. Juli 2010 um 15:44 Uhr)
Die Behaarung eines BogensWas machen wir mit Ihrem Bogen, wenn Sie ihn zu uns zur Neubehaarung bringen? Weil es nicht unbedingt möglich ist, dem Geigenbauer während der Prozedur über die Schulter zu schauen habe ich hier eine Bildstrecke bereitgestellt. Hier sehen Sie wie ich einen Cellobogen behaare. Am Ende der Bildstrecke finden Sie häufige Fragen über die Bogenbehaarung.
Ich werde in einiger Zeit ein Artikel mit Hintergrundinformationen zur Bogenbehaarung schreiben. Viel Spass beim Entdecken! Aktualisiert (Mittwoch, den 16. Juni 2010 um 21:26 Uhr) „Das sichere Streichinstrument“
Was ist denn "Das sichere Streichinstrument: Vier Säulen System" (DSS:4SS)? Säule 1: Versichern von Instrument und Spieler(in) Säule 2: Pflege und Service Säule 3: Schutz durch richtige Ausrüstung Säule 4: Identifizierung und Verfolgbarkeit Aktualisiert (Mittwoch, den 16. Juni 2010 um 20:43 Uhr) Infoblatt für Streicher Nr. 2 - Dr Stimmstock
In diesem Infoblatt werden Sie wertvolle Information über den Stimmstock, manchmal auch Stimme genannt, erfahren.
Aktualisiert (Mittwoch, den 16. Juni 2010 um 20:29 Uhr) Infoblatt für Streicher Nr. 1: Der Steg
Sie werden in diesem Blog in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Infoblätter rund ums Streichinstrument finden. Der Anfang macht eine Serie über die verschiedenen Bestandteilen des Instruments machen. Diese Woche: Der Steg
Aktualisiert (Freitag, den 23. Juli 2010 um 19:14 Uhr) |










