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Vieles über Streichinstrumente, Geigenbau und Musik von Micha David Sennhauser, Geigenbaumeister in Zürich
Ehrenkodex des Geigenbaumeisters Empfehlung
Nun habe ich die Prüfung geschafft, kann mich mit einem neuen Titel schmücken... Was bedeutet mir dies?
Eidg. dipl. Geigenbaumeister ist die höchste Auszeichnung in unserem Beruf (Geigenbauer) und strebt einen hohen Standard in allen Bereichen des Handwerks und der Kunst im Geigenbau an. Dieser Titel bedeutet mir jedoch vor allem eines, nämlich der Beginn einer Verpflichtung. Eine Verpflichtung gegenüber dem Musiker, der Musikerin, selbstverständlich auch gegenüber den Instrumenten, aber auch gegenüber meinem Berufsstand, der Musik und der Gesellschaft. Um dies auf den Punkt zu bringen lesen Sie in der fortsetzung einen Ehrenkodex, den ich aufgestellt habe:
Ehrenkodex des Geigenbaumeisters (Version Zürich, 22. Januar 2012)
1. Ich trete Musikern und Musikerinnen nach besten Wissen und Gewissen, ehrlich, sachlich, freundlich, neugierig und respektvoll gegenüber.
2. Ich schütze das historische Instrument, welches ein wichtiges Kulturgut ist.
3. Ich verhalte mich fair gegenüber Mitbewerber und Mitbewerberinnen.
4. Ich diene meinem Berufsstand und der Gesellschaft.
5. Ich erfinde keine Geheimnisse, wo keine sind.
6. Ich verstecke weder Fehler noch Unsicherheiten.
7. Ich strebe stets danach, Neues zu lernen und mich weiter zu bilden.
8. Ich stelle alles auf den Prüfstand; messe meine Ideen immer an den Tatsachen und bin bereit, auch lieb gewordene Überzeugungen über Bord zu werfen, wenn sie sich nicht mit der Wirklichkeit vereinbaren lassen.
9. Ich immunisiere mich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das ich nicht abweisen werde.
10. Der Sinn meiner Arbeit liegt nicht in sich selbst, nicht nur in deren Resultat, sondern in deren Ziel, welches vor allem die Musik ist.
Ich, Micha David Sennhauser, unterschreibe den Ehrenkodex des Geigenbaumeisters (Version 1, Zürich 22. Januar 2012) und gelobe, ihn zu respektieren und zu befolgen.
Wohin mich meine Reise führt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich werde in Zukunft eines sicher tun, nämlich mehr neue Instrumente bauen. Ich werde in einem weiteren Beitrag ausführlicher darüber berichten.
Zum Schluss möchte ich noch ein Sprichwort einfügen, dem ich nur beipflichten kann:
Lehrling ist jedermann
Geselle, der was kann
Meister der was ersann
Geigenbaumeistertitel Empfehlung
Jetzt habe ich es geschafft! Nach einer 10-jährigen Vorbereitung konnte ich Ende Juli 2011 die Meisterprüfung an der Geigenbauschule in Brienz absolvieren. Seit meinem Lehrabschluss 2000 habe ich stetig auf dieses Ziel hingearbeitet. Der Weg führte mich...
Meisterprüfung Empfehlung
Wie der Titel dieses Blogs (Stand Februar 2011) es andeutet, bin ich Anwärter auf die nächste Meisterprüfung. Nun stehen seit Anfang 2011 die Daten fest (endlich...) Diese können auf der Homepage des Schweizer Verbandes Geigenbauer und Bogenmacher gefunden werden.
Was ist ein Geigenbaumeister und was unterscheidet ihn vom Geigenbauer?
Im Informationsbrief, den ich auszugsweise hier reproduziere wird diese Frage ansatzweise beantwortet
..."Geigenbaumeister müssen versierte Allgemeinpraktiker sein. Sie sollen neue Instrumente bauen können, die den hohen Anforderungen der Musiker genügen. Sie sollen nach den beiden Grundgesetzen des Reparierens/Restaurierens – möglichst viel Originalmaterial schützen, Funktionalität optimal gewährleisten, (Ausnahme: Bei Museumsbeständen geht es heute primär ums Konservieren) – Instrumente und Bögen betreuen und herrichten können. Die Reparaturen sollen von aussen nicht zu erkennen sein, hingegen klar deklariert werden. Geigenbaumeister können gleichzeitig in einem der Bereiche Neubau von Instrumenten, Reparaturen/Restaurationen oder dem Gebiet der Zertifizierung von Instrumenten und Bögen spezialisiert sein. Bei Bedarf werden sie den Kunden zum entsprechenden Spezialisten schicken oder diese Arbeit für ihn übernehmen.
Die Weiterbildung zum Geigenbaumeister ist in der Schweiz nicht institutionalisiert. Der Schweizer Verband der Geigenbauer und Bogenmacher SVGB bietet jährlich Weiterbildungsvorträge aus den oben aufgelisteten Themenbereichen an. Er ist bestrebt, die kompetentesten Referenten einzuladen. Ebenfalls informiert der Verband über Weiterbildungsveranstaltungen anderer Verbände und verwandter Institutionen, wie zum Beispiel der Musikhochschulen oder Museen... An der Geigenbauschule Brienz werden ausserdem spezifische Kurse (z.B. Restaurierungstechniken) angeboten."...
Was ist die Meisterprüfung?
Im anderen Teil des Informationsschreiben der Meisterprüfungskommission wird auf die Meisterprüfung eingegangen:
..."Der wichtigste Teil der Prüfung sind die Arbeitsproben in den Bereichen Reparatur- und Restaurierungstechniken sowie im Neubau von Instrumenten. Dabei soll die handwerkliche Meisterschaft unter Beweis gestellt werden. Zu den Aufgaben gehören: Risse leimen, Ecken- und Randstellen ansetzen, verschiedene Belegtechniken und Retouchierarbeiten ausführen. Beim Neubau werden Arbeitsmethode, Funktionalität, Sauberkeit und gestalterische Aussage bewertet. Das vorgängig gebaute Meisterstück wird ebenfalls nach Handwerk, künstlerischer Gestaltung und nach seinen klanglichen Eigenschaften bewertet. Für die Auswertung der Prüfung zählen weiter das Fachzeichnen und die ebenfalls vorgängig verfasste Diplomarbeit. Während der mehrtägigen Prüfung werden die Kandidatinnen und Kandidaten in Geschäfts- und Berufskunde mündlich und schriftlich befragt. Die Gebiete reichen von der Rechtskunde über Buchführung, Preisberechnung, Korrespondenz, Werkstoffkunde, Werkzeugkunde, Physik im Instrumentenbau, Musikgeschichte, Geschichte des Geigenbaus und der Geigenbauer, Geigenbautechnik, Herstellungsmethoden bis hin zu Kenntnissen alter Instrumente und Bögen." ...
Ich hoffe, dass diese Informationen zur Klarheit in unserem schönen Berufsfeld beitragen. Eines der einzigen Ateliers in der Schweiz in denen mehrere Geigenbaumeister arbeiten ist die Meisterwerkstatt Isler + Irniger in 8001 Zürich
In einem nächsten Beitrage werde ich darüber berichten, wie ich mich auf diese Prüfung vorbereite. Eine kleine Vorschau ist die Entstehung meines Meisterinstruments hier.
DSS 1 - Lackpflege Empfehlung
"Das sichere Streichinstrument"
DSS 1 - Lackpflege - Weshalb keine Pflege besser ist als Pflegepolitur...
Als ersten Beitrag dieser Serie werde ich Ihnen erklären, wie Sie Ihr Instrument schön glänzend und sauber halten können.
Lack
Zum Anfang einen ganz kurzen Abschnitt über Lackkunde:
Der Lack eines Instruments besteht grundsätzlich aus Harz. Damit das Harz streichbar wird, wird ein Lösungsmittel und/oder ein Bindemittel beigefügt (ätherische Öle, Spiritus, Leinöl, Nussöl usw...) Es werden noch einen oder mehrere Farbstoffe beigemischt, damit der Lack eine schöne Farbe bekommt. Nicht alle Instrumente haben denselben Lack. Manche sind sehr widerstandsfähig gegenüber Lösungsmitteln, andere bleiben auch nach Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten löslich und werden beim Kontakt mit Alkohol, ätherischen Ölen oder Wasser weich oder lösen sich gar auf.
Pflegepolituren
Die meisten im Handel für Musiker und Musikerinnen erhältlichen Reinigungsmittel bestehen aus einer Mischung aus ätherischen Ölen, Lösungsmitteln und , Silikon/Öl. Diese Mittel können eine verheerende Wirkung auf Ihr Instrument haben, wenn sie angewendet werden.
Probleme
Folgende Probleme können auftreten, wenn eine Pflegepolitur auf dem Instrument eingesetzt werden:
- Der Lack kann an der Oberfläche weich werden. Am Anfang sieht das Instrument sehr schön und glänzend aus, doch schon nach kurzer Zeit sammeln sich Staub, Kolophonium und weitere Partikel auf dem Lack und bilden eine unschöne matte Schicht. Daher wird in der Regel das Produkt in regelmässigen Abständen angewendet bis es nichts mehr nützt, weil das Instrument zu klebrig und schmutzig ist. Danach müssen die vielen Schichten aus Pflegepolitur und Staub beim Geigenbauer oder bei der Geigenbauerin für teures Geld mit viel Aufwand wieder entfernt werden. Wir kümmern uns sehr gerne um Ihr Instrument, aber glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage, dass diese Arbeit von den meisten Geigenbauern und Geigenbauerinnen nicht wirklich geliebt wird.
- Die meisten Pflegepolituren hinterlassen einen glänzenden Film auf der Lackoberfläche, wobei ein ähnliches Phänomen wie in Punkt 1 beobachtet werden kann. Was auch noch zu beachten ist, ist dass diese Schichten aus Pflegepolitur und Dreck den Klang stark dämpfen und verschlechtern können, teilweise regelrecht ersticken.
- Der Lack kann ganz aufgeweicht werden (im schlimmsten Fall kann er sich sogar auflösen!) Dann wird er anfällig für Abdrücke (Finger, Kastenfutter, Schulterstützen usw...) Diese Probleme sind sehr schwer zu beheben, weil das Lösungsmittel in der Pflegepolitur sich mit dem Lack verbinden kann und unter Umständen nicht mehr entweichen kann.
- Das Öl / Silikon das vielen Pflegepolituren beigemischt wird, dringt in feine Risse welche von Auge kaum oder gar nicht zu sehen sind. Dadurch kann der Geigenbauer oder die Geigenbauerin diese Risse nicht mehr einfach leimen (wie es ohne Pflegepolitur der Fall wäre). Nun muss eine aufwändige und teilweise aussichtslose Riss-Reinigung vorgenommen werden. Meiner Meinung ist dies das grösse Problem von Pflegepolituren.
Jetzt haben Sie nun hoffentlich genügend Gründe, keine Pflegepolitur zu gebrauchen. Meiner Meinung nach darf ein ethisch verantwortungsvolles Geigenbaugeschäft gar keine Pflegepolituren verkaufen.
Wie kann der Lack gepflegt werden?
- Es gibt eine goldene Regel: nach jedem Spielen das Instrument mit einem weichen trockenen Tuch reinigen (besonders zu empfehlen sind Microfaser Tücher). Damit wird verhindert, dass sich das Kolophon mit dem Lack verbindet und sich dann mit einem trockenen Tuch nicht mehr entfernen lässt. Wichtig ist, dass das ganze Instrument gereinigt wird.
- Zudem ist es von Vorteil, ein Kolophonium zu benützen, das nicht zu klebrig ist (ein gutes, nicht klebriges Kolophon ist "Larica").
- Das Instrument NIE in einem geschlossenem Auto und/oder eine längere Zeit an der Sonne aufbewahren (auch im Etui) . Die extreme Hitze kann den Lack aufweichen; es bilden sich Abdrücke und eventuel sogar Hitzebläschen.
- Das Instrument regelmässig (1 Mal im Jahr) zu Ihrem Geigenbauer oder Ihrer Geigenbauerin zur Kontrolle bringen und eine Reinigung und ev. eine Politur machen lassen.
Haben Sie weitere Fragen oder Bemerkungen? Schreiben Sie einen Kommentar, diskutieren Sie im Forum oder kontaktieren Sie mich direkt. Falls Sie in Zürich sind, können Sie auch direkt in der Werkstatt bei Isler + Irniger, Meisterwerkstatt für Geigenbau vorbei kommen. Ich bin in der Regel von Mittwoch bis Samstag für Sie da.
Micha Sennhauser ©Juli 2010
Bogen Behaaren - Infoblatt 3 Empfehlung
Die Behaarung eines Bogens
Was machen wir mit Ihrem Bogen, wenn Sie ihn zu uns zur Neubehaarung bringen? Weil es nicht unbedingt möglich ist, dem Geigenbauer während der Prozedur über die Schulter zu schauen habe ich hier eine Bildstrecke bereitgestellt. Hier sehen Sie wie ich einen Cellobogen behaare. Am Ende der Bildstrecke finden Sie häufige Fragen über die Bogenbehaarung.

Ich werde in einiger Zeit ein Artikel mit Hintergrundinformationen zur Bogenbehaarung schreiben. Viel Spass beim Entdecken!
DSS 0 - Das sichere Streichinstrument Empfehlung
„Das sichere Streichinstrument“
In nächster Zeit werde ich Beiträge über „Das sichere Streichinstrument“ schreiben. Es ist mir natürlich bewusst, dass eine 100%ige Sicherheit nie erreicht werden kann, vor allem wenn man daran denkt, dass ein Streichinstrument regelmässig gespielt und transportiert wird. Am Ende dieser Beitragsreihe werde ich "Das sichere Streichinstrument: Vier Säulen System" (DSS:4SS) im Detail vorstellen. Wertverlust durch Schaden, Zerstörung durch Unfall oder Missgeschick, Verlust durch Diebstahl, Unannehmlichkeiten wie Konfiszierung am Zoll und weitere Probleme können verhindert werden, wenn Sie DSS:4SS anwenden.
Was ist denn "Das sichere Streichinstrument: Vier Säulen System" (DSS:4SS)?
Säule 1: Versichern von Instrument und Spieler(in)
Säule 2: Pflege und Service
Säule 3: Schutz durch richtige Ausrüstung
Säule 4: Identifizierung und Verfolgbarkeit
Der Steg - Infoblatt 1 Empfehlung
Infoblatt für Streicher Nr. 1: Der Steg

Sie werden in diesem Blog in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Infoblätter rund ums Streichinstrument finden. Der Anfang macht eine Serie über die verschiedenen Bestandteilen des Instruments machen. Diese Woche: Der Steg
Der Steg
- Begriffserklärung
- Funktion
- Material
- Pflege / Unterhalt
- Preis
Warum Empfehlung
IM Frühling 2011 WERDE ICH DIE GEIGENBAUMEISTER-PRÜFUNG AN DER GEIGENBAUSCHULE BRIENZ ABSOLVIEREN. ALS DANK FÜR DIE MUSIKER UND MUSIKERINNEN, DIE ES MIR ERLAUBEN DIESEN WUNDERBAREN BERUF AUSZUÜBEN INFORMIERE ICH REGELMÄSSIG ÜBER DAS GEIGENBAUER-SEIN UND PUBLIZIERE ICH NÜTZLICHE TIPPS RUND UMS STREICHINSTRUMENT.